2014 F+E / Pyrenäen und Mont Ventoux

Einführung

„Das wichtigste Stück des Reisegepäcks ist und bleibt ein fröhliches Herz.“

(Hermann Löns, 1866 - 1914, deutscher Naturforscher, Tierschilderer, Heide- und Liederdichter)

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Der einwöchige Erholungs- und Rennrad-Urlaub im September 2012 in der Region von Villeneuve d'Olmes, 09300, spornte mich zu einer Tour in den Pyrenäen an. Bereits im November 2013 vereinbarte ich dann mit einem meiner Rennradfreunde und unserem „Tour-Chauffeur“ eine Pyrenäen-Nord-Süd-Tour und auf der Heimfahrt auch noch „schnell“ die Mont Ventoux – Tour.

Ausschlaggebende Gründe waren:
• Umfangreicheres Kennenlernen der interessanten Pyrenäen
• Weniger Autoverkehr im September und leichtere Hotelbuchungen
• Auch geringere Regenwahrscheinlichkeit im September

So ergibt sich eine 14-tägige Tour mit insgesamt 3 Reise-, 2 Ruhe- und 9 Rennradtagen. An 5 Rennradtagen sind jeweils mehr als 2.000 Höhenmeter zu bewältigen.

Anschließend ein Blick auf das Tagesgeschehen:

Über diese Tour

Tagesinhalte
Links zu Bikemap (ursprüngliche Planung)
So., 31.08.2014, Autofahrt von Stuttgart nach Bellerive S/Sallier  
Mo., 01.09.2014, Autofahrt nach F/Ciboure  
Di., 02.09.2014, Ciboure - E/Roncesvalles (1) http://www.bikemap.net/de/route/2415748-py1fciboure_eroncesvalles/
Mi., 03.09.2014, Roncesvalles - F/Lurbe-Saint-Christau (2) http://www.bikemap.net/de/route/2415811-py2eroncesvalles_flurbe/
Do., 04.09.2014, Lurbe-Saint-Christau - Gourette (Lourdes) (3) http://www.bikemap.net/de/route/2415833-py3flurbe_lourdes/
Fr., 05.09.2014, Soulom (Lourdes) - Arreau (Bagnères-de-Luchon) (4) http://www.bikemap.net/de/route/2424587-py4flourdes_bagneres-de-luchon/
Sa., 06.09.2014, Bagnères-de-Luchon  
So., 07.09.2014, Col-du-Portillon - Oust (5) http://www.bikemap.net/de/route/2424586-py5fbagneres-de-luchon_oust/
Mo., 08.09.2014, Oust - Ax-les-Thermes (6) http://www.bikemap.net/de/route/2426862-py6foust_ax-les-thermes/
Di., 09.09.2014, Ax-les-Thermes - Sainte-Colombe (Prades) (7) http://www.bikemap.net/de/route/2424580-py7ax-les-thermes_prades/
Mi., 10.09.2014, Prades - Argeles-sur-Mer (8) http://www.bikemap.net/de/route/2424576-py8fprades_argeles-plage/ 
Do., 11.09.2014, Ruhetag in Argeles-sur-Mer  
Fr., 12.09.2014, Bédoin - Mont Ventoux (9) - Malaucéne - Bourg-en-Bresse http://www.bikemap.net/de/route/2695792-py9fmont-ventoux/ 
Sa., 13.09.2014, Heimfahrt  

Die zu sehenden  Bilder  können durch  anklicken  vergrößert werden.

So., 31.08.2014, Autofahrt von Stuttgart nach Bellerive S/Sallier

Nachdem wir die Autobahn in Frankreich erreicht haben, begegnen uns weniger Fahrzeuge. Nach 677 km erreichen wir das ibis Budget Hotel und beziehen unsere Einzelzimmer. In einem vom Hotelpersonal empfohlenen Restaurant erhalten wir ein gutes Abendessen.

Mo., 01.09.2014, Autofahrt nach F/Ciboure

Nach dem Frühstück verlassen wir gestärkt das Hotel und legen die 621 km nach Ciboure problemlos zurück. Das ruhig gelegene ibis Budget Hotel liegt nahe am Meer, natürlich ist es etwas teurer als das gestrige. Nach etwa 500 m Spaziergang sind wir in der Altstadt, die unmittelbar am Sandstrand des Atlantiks liegt. In einem guten Restaurant in der Nähe findet jeder das, was ihm schmeckt.

Di., 02.09.2014, Ciboure - E/Roncesvalles (1)

Nach angenehmer Nacht und gutem Frühstück starten wir die Tour bei gutem Wetter. Gleich nach dem Hotel beginnen die Berge der Pyrenäen, wir sind im Département Hautes-Pyrénées. Die Straßen sind gut und der Autoverkehr gering. Die meisten Urlauber sind schon fort. Treffpunkt mit unserem Chauffeur nach 79 km ist der große See Embalse de Egui im Hostal Etxeberri, wo wir uns stärken können.

Es geht weiterhin auf und ab, zuletzt nochmals bergauf zum Hotel Casa de los Beneficiados. In deutsche Sprache übersetzt heißt der Pilgerort Roncesvalles "Tal der Dornensträucher".

Hier erfahren wir, dass die erste Etappe des „eigentlichen“ Jakobsweges, dem so genannten Camino Francés, im französischen Ort St-Jean-Pied-de-Port beginnt und knapp 25 km weit über den Grat der Pyrenäen, den Ibañeta-Pass auf 1.057 Meter Höhe, (Karl der Große soll ihn bei seinem Spanien-Feldzug im Jahre 778 passiert haben), hierher nach Roncesvalles führt. Dieser Pass soll der kühlste Ort des gesamten Pilgerwegs nach Santiago sein! Roncesvalles liegt südlich dieses Passes auf 900 m Höhe und ist eine bekannte Station für die Pilger. Im schönen Augustinerkloster können Pilger in einem Saal aus dem 12. Jahrhundert schlafen, ebenso in einer benachbarten Jugendherberge.

Da sehr viele Pilger hier sind, ist das örtliche Restaurant ausgebucht. Wir fahren in einen benachbarten Ort. Ein einfaches aber gutes Essen stärkt uns.

Tagesergebnis: 110 km, Fahrzeit 6:27, 2.373 hm, 1.441 tm

Mi., 03.09.2014, Roncesvalles - F/Lurbe-Saint-Christau (2)

Die Pilger des Jakobsweges starten schon um 5 Uhr. Nicht alle berücksichtigen jene, die noch schlafen möchten. Nach einem sehr guten, vielfältigen Frühstücksbuffet, starten wir kurz nach 9:30 Uhr. Es ist noch sehr frisch, deshalb „packen“ wir uns bis zur ersten Steigung etwas ein. Nach wenigen Kilometern begegnet uns eine Gruppe von Radfahrern. Sie fahren die Pyrenäentour von Süd nach Nord.

Die Landschaften und Orte in den Pyrenäen, die wir heute sehen, sind beeindruckend. Auch die Straßenbeläge sind gut, aber manchmal fordern raue Beläge für sicherere Autofahrt im Winter viel Kraft von uns Radlern.

Heute sind etliche Kilometer mit bis zu 20% Steigung sehr anstrengend, vor allen Dingen der von uns gewählte Aufstieg zum Pass Col de Pierre (ca. 1.750 m). Auf vielen Kilometern begegnet uns fast kein Auto. In zwei Pausen erfrischen wir uns. Natürlich füllen wir immer wieder unsere Trinkflaschen nach, entweder aus dem Fahrzeug oder aus den Shops.

Erleichtert erreichen wir das Hotel Au Bon Coin in Lurbe-St-Christau, in dem unser Chauffeur bereits eingetroffen ist. Nach dem guten Abendessen tut uns ein Spaziergang zur Entkrampfung unserer Beine gut.

Tagesergebnis: 129 km, Fahrzeit 6:43 Std., 2.140 hm, 2.763 tm

Do., 04.09.2014, Lurbe-Saint-Christau - Gourette (Lourdes) (3)

Nach einer guten Nacht und einem stärkendem Frühstück geht es gleich wieder in die schönen, aber auch herausfordernden Pässe der Pyrenäen. Aufgrund eines Tretlagerproblems müssen wir leider nach 48 km in Gourette aufgeben, 6 km vor dem Gipfel des Col d'Aubisque. Nun müssen wir erst einmal ein Netz für unser Mobile finden, um endlich unseren Chauffeur herbeizurufen. Glücklicherweise klappt es doch noch.

Leider müssen wir dann mit dem PKW die restliche Hälfte der Strecke fahren, also 48 km nach Lourdes ins Hotel ibis Lourdes Centre Gare. Wir erkundigen uns nach einem Radshop, der etwa einen Kilometer von hier entfernt ist. Der dortige Monteur müsste zwar am frühen Abend zum Rennradtraining, entgegenkommenderweise beseitigt er aber das technische Problem doch noch und schafft mir zusätzlich mit viel Lagerfett ein leichteres Fahren. Der Preis dafür ist meines Erachtens viel zu niedrig, deshalb gebe ich ihm meinen geschätzten höheren Betrag, verglichen mit deutschen Preisen. Dies gelingt erst mit viel Überzeugungskunst und Unterstützung des Chefs. Übrigens geht ein guter Radweg hinein in die Stadt Lourdes.

Die Wallfahrtsstadt Lourdes (nun Département Midi-Pyrenées, ca. 15 Tsd. Einwohner) ist einer der weltweit meistbesuchten Wallfahrtsorte der Katholischen Kirche. Seit dem Jahr 1858, als ein vierzehnjähriges Mädchen Erscheinungen der Maria hatte, reisen viele Pilger nach Lourdes. An der freigelegten Quelle soll es Heilkräfte geben und es werden viele Wunderheilungen gepriesen.

Nach dem Abendessen besichtigen auch wir die sehr beeindruckende Wallfahrtsstätte.

Tagesergebnis: 48 km, Fahrzeit 3:42 Std., 1.547 hm, 736 tm

Fr., 05.09.2014, Soulom (Lourdes) - Arreau (Bagnères-de-Luchon) (4)

Aufgrund des starken Autoverkehrs rund um Lourdes und der heute anstrengenden Pässe kürzen wir die geplante Tour und starten erst in Soulom. Dann geht es aber gleich bergauf. Noch sind es etwas über 30 km bis zum legendären Col du Tourmalet (2.115 m, bedeutet „schlechter Weg“, höchster französischer Pyrenäenpass), der auf der Nordseite der französischen Seite der Pyrenäen liegt. 1910 wurde er erstmals überquert und er gehört zu den Klassikern der Tour de France.

Ausgerechnet heute findet hier wieder ein Bergrennen statt. Viele passieren uns, einzelne treffen wir später wieder, vermutlich weil sie zu schnell gestartet sind. Auch mich hat dieser heutige Aufstieg die meiste Kraft während der Pyrenäentour gekostet.

Die sehr bekannte Passhöhe bietet einen weiten Blick auf unsere Auffahrtstrecke, aber ist sie auch unvergesslich mit der Skulptur des Le Géant du Tourmalet. Jacques Goddet war langjähriger Direktor der Tour de France.

Lange können wir uns hier aufgrund des Windes nicht aufhalten. So erfolgt eine rasante Abfahrt auf einer immer breiter werdenden Straße, die vor dem Ort 65710 Campan riesige Parkplätze für Besucher bietet, besonders im Winter und bei der Tour de France. Jede Menge Liftanlagen für Skifahrer sind zu erkennen.

In Campan machen wir eine Pause und bekommen guten Kaffee und Kuchen in einem Shop. Hier sind kaum Menschen, nur einmal eine Gruppe von Rennradlern. Dann fahren wir auf der D918 über den ebenfalls bekannten Col D’Aspin (1.489 m), den wir nach 13 km erreichen. Die Auffahrt ist genauso detailliert beschriftet wie am Tourmalet. Also können wir immer Höhe, Entfernung zum Pass und prozentuale Steigung ablesen.

Letztlich erfolgt eine 12 km lange Abfahrt nach Arreau (ca. 660 hm), die höchste Konzentration fordert. Aber der Blick ins Tal ist faszinierend. Der Zusammenfluss der Flüsse aus den Tälern Aure und Louron zum beeindruckenden Fluss La Neste begeistert uns. An diesem Fluss stärken wir uns in einem Café.

Danach fahren wir mit unserem Chauffeur über den Col de Peyresourde (1.563 m) in den Zielort Bagnères-de-Luchon. Eigentlich wollen wir den Col de Peyresourde fahren, aber es ist uns heute zuviel. In dieser Badestadt fühlen wir uns im Hotel d’Etigny wohl und auch unser Auto mit den Rennrädern ist in einer - für mich baufälligen - Garage des Hotels gut geparkt. Das Abendessen nehmen wir im Hotel ein.

Wir sind immer noch in den Midi-Pyrénées. Bagnères-de-Luchon (ca. 2.500 Einwohner) ist ein Heilbade- und Wintersportort, war auch schon mehrfach Etappenort der Tour de France.

Tagesergebnis: 72 km, Fahrzeit 4:45 Std., 2.258 hm, 2.016 tm

Sa., 06.09.2014, Bagnères-de-Luchon

Nach den vier Tagen der Pyrenäentour erlauben wir uns einen Ruhetag. In diesem Heilbadeort bietet sich dies an. Verdient hat dies auch unser Chauffeur, denn die Fahrten auf den oft schmalen Passstraßen erfordern höchste Konzentration. Ihm ist es nie langweilig. Zwischen den Treffpunkten findet er als begeisterter Fotograf immer wieder Objekte und Punkte, die er festhalten will. Wir sind überaus dankbar, dass er uns so gerne begleitet.

Am heutigen Ruhetag machen wir miteinander nicht nur einen Spaziergang, sondern auch eine Auto-Rundfahrt in den Hautes-Pyrénées auf der D125 über Fronsac, weiter auf der D925, u. a. durch Ferrere und zuletzt auf der D51 über Saint-Paul-d’Oueil retour nach Bagnères-de-Luchon. Auf einem sehr steilen Pass begegnet uns nur ein einziger Rennradfahrer! Mit dieser Fahrt haben wir uns in aller Entspannung einen tieferen Einblick in die Pyrenäen gegönnt.

In der ausdrucksvollen kleinen Innenstadt finden wir ein angenehmes Restaurant, wo wir uns mit einem guten Abendessen für den morgigen Tag stärken.

So., 07.09.2014, Col-du-Portillon - Oust (5)

Nach erholsamer Nacht starten wir weiter gen Süden. 6 km sparen wir uns heute, indem wir erst auf dem Gipfel des Col du Portillon (1.293 m und ca. 800 hm) starten. Die Straße über diesen Berg ist die Verbindung zwischen Bagnères-de-Luchon und dem Val d’Aran. Wir sind heute in einer besonderen Pyrenäenregion, denn hier werden vier Sprachen gesprochen. Dies erklärt sich durch die auf Passhöhe verlaufende Grenze zwischen Frankreich und Spanien.

Mein Freund drängt auf einen schnellen Start, denn es folgen doch noch drei Pässe. Die über 30 km lange und sehr gute Abfahrt vom Col du Portillon nach Saint-Béat geht durch schöne Landschaft und lässt sich bestens fahren. In diesem Ort starten wir den Aufstieg zum Col de Menté (ca. 800 hm, 10 km). Die Täler Garonne und Ger werden u. a. durch diesen Pass miteinander verbunden. Dieser Pass ist sehr anstrengend, denn die Steigung liegt oft bei 10%! Danach kommt eine begeisternde Abfahrt.

Nach etwa 8 km beginnt der Aufstieg zum Col d’Aspet (1.069 m, ca. 8 km und 450 hm), mit der extremen Steigung an einer Stelle von gut 25%. Auf unserer Auffahrt fand bei der 15. Etappe der Tour de France 1995 die Abfahrt statt. Damals verunglückte Fabio Casartelli tödlich, weil er in einer Kurve stürzte und mit dem Kopf gegen einen Begrenzungsstein prallte. Eine Gedenkplakette mit seinem Bild und seinem eingravierten Namen erinnert an die Verleihung der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona. Ferner erinnert ein großes, weißes Denkmal 150 m weiter oben an ihn. Der damalige bekannte Sieger Richard Virenque soll von diesem tödlichen Sturz erst im Ziel erfahren haben.

Auf den Passhöhen hat die kurze Pause mit unserem Chauffeur gut getan. Gemeinsam haben wir Durst und Hunger gestillt.

Nun folgen für uns 20 km (!) Abfahrt, bei denen wir uns sehr konzentrieren müssen. Gleich geht es wieder aufwärts und zwar zum weniger bekannten Col de Core (1.395 m, ca. 16 km und 900 hm). Die schöne Abfahrt endet in unserem Zielort Oust (ca. 480 m, weniger als 1.000 Einwohner), wo wir in der kleinen Hostellerie De La Poste zu Abend essen und auch übernachten. Leider ist die Temperatur des Swimmingpools zu kalt für uns.

Tagesergebnis: 107 km, Fahrzeit 6:00 Std., 2.173 hm, 2.951 tm

Mo., 08.09.2014, Oust - Ax-les-Thermes (6)

Mit einem kleinen Frühstück beginnen wir den frischen Morgen. Unser Zittern aufgrund der morgendlichen Kühle beseitigen wir durch schnellen Start. Am Fluss Le Garbet lässt es sich angeln, Kanu fahren und auch zelten. Wir genießen die fast ebene Fahrt entlang des Flusses und erreichen dann Aulus-les-Bains. Es ist ein bescheidener Ort, auch mit leerstehenden Badehäusern, woran wir sehen können, dass hier nicht mehr viel geschieht.

Jetzt beginnt der Aufstieg zum Col d’Agnes (1.570 m, ca. 1.000 hm auf 26 km). Nach kurzer Pause erfolgt eine ca. 5 km lange und einfache Abfahrt, vorbei an einem See. Danach fahren wir ca. 5 km und 300 hm hinauf zum Port de Lers (1.519 m). Schließlich folgen ca. 30 km Abfahrt – bei guter Sommertemperatur! – nach Tarascon-sur-Ariège. Allerdings müssen wir auf den ersten 5 km der schmalen Strecke sehr aufpassen. Auf der stark befahrenen N20 wollen wir dann nicht nach Ax-les-Thermes kommen, sondern auf der D20. Diese ordentliche Straße ist weniger befahren.

Nach einigen Kilometern hat mein Freund am Aufstieg plötzlich Probleme mit der Schaltung. Ein zerbrochenes Teil lässt sie am schwersten Gang hängen bleiben. Ziehen kann ich ihn leider nicht, nur schieben. Diese etwa 10 km lange Strecke lässt uns schwitzen wie noch nie. Riesig freuen wir uns über die Abfahrt ab Lordat auf der D55. Letztlich sind es noch ca. 5 km bis zum Hotel mitten in Ax-les-Thermes (ca. 1.300 Einwohner, ca. 700 m).

Leider kann das hiesige Fahrradgeschäft den Schaden nicht beheben. Jedoch wird uns ein gutes Geschäft in der über 60 km entfernten Stadt 09100 Pamiers empfohlen. Heute ist es dafür zu spät, dann eben morgen früh.

Mitten in der Stadt stärken wir uns mit gutem Abendessen und setzten uns in dunkler Nacht noch an die offene Therme vis-a-vis von unserem Hotel. Dabei bemerken wir, dass dieser Ort wohl eine richtige Drehscheibe des Autoverkehrs ist. Die N20 Richtung Andorra, D613/25 und D22 südlich in die Pyrenäen. Besucher aus der ganzen Welt sehen wir hier.

Tagesergebnis: 100 km, Fahrzeit 5:30 Std., 2.040 hm, 1.818 tm

Di., 09.09.2014, Ax-les-Thermes - Sainte-Colombe (Prades) (7)

Aufgrund des Problems mit der italienischen Rennrad-Schaltung kommt ein schnelles Frühstück - hier im Hotel le Breilh auch ein einfaches - und dann folgt die Autofahrt ins Geschäft Cycles Passion in Pamiers. Zum Glück sind wir rechtzeitig dort und kommen auch gleich dran. Der Mechaniker hat den Schaden sehr schnell gefunden und ist bereit, die Reparatur sofort durchzuführen, allerdings dauert es mindestens 45 Minuten. Danach bringe ich ihm mein Vorderrad mit dem Hinweis, dass es in dessen Achse ein „Knackgeräusch“ gibt. Dies hat er, ohne das Vorderrad zu prüfen, verneint und sagt, ich soll ihm das ganze Fahrrad bringen. Schnell kümmert er sich um die Hinterachse und löst das Problem dort. Bis heute ist das Problem nie mehr entstanden. Das ist eine perfekte Werkstatt mit einem super Fachmann.

Zügig erfolgt die Rückfahrt nach Ax-les-Thermes. Nach dem Umziehen starten wir an der geplanten Stelle und beginnen gleich mit dem Aufstieg aus dem Ort hinaus. Nach etwa 19 km und ca. 1.200 hm erreichen wir den Col de Pailhères (2.001 m). Wärme und Höhenmeter machen uns zu schaffen. Vor zwei Jahren bin ich auf dieser Strecke teilweise auch gefahren.

Jetzt folgen 27 km und rund 1.500 hm Abfahrt, auf die Höhe von ca. 450 m. Eine atemberaubende Abfahrt mit prägnanten Serpentinen. Zuletzt fahren wir entlang des Flusses L’Aude, der sich durch das enge Tal schlängelt. Auf der gesamten Strecke ist kaum Autoverkehr.

Vor der Stadt Axat biegen wir rechts ab auf die D17. Bei unserem geplanten Aufstieg zum Col de Jau (1.506 m) kommt ein Gewitter. Der Regen beginnt schon, es blitzt und donnert heftig, die Temperaturen sinken extrem. Wir finden Zuflucht in einer offenen, fast wasserdichten Garage (!), fangen an zu frieren, haben keine Telefonverbindung, oh je …

Als das heftige Gewitter abnimmt, fahren wir ca. 3 km in den nächsten Ort Sainte-Golombe-sur-Guette, wo wir uns am Rathaus unterstellen können. Am oberen Ende des Ortes habe ich Netz und erreiche nun unseren Chauffeur. Ihm haben wir heute eine Fahrt nach Andorra gegönnt. Er ist auf der Fahrt nach Prades. Zu uns hat er weitere 40 km zu fahren, dies aber auf der Passstraße bei heftigem Regen und im Nebel mit miserabler Sicht. Wir versuchen mit allerlei Bewegungen, unser "Kältezittern" nicht zur Unterkühlung werden zu lassen.

Nach etwa 2 ½ Stunden ist unser Chauffeur dankenswerterweise bei uns. Auch die Fahrt zurück ist so schlecht zu fahren, dass wir erst nach 20 Uhr in Prades ankommen. Glücklicherweise geht die Autoheizung! Einbahnstraßen, sehr enge Straßen, bringen uns zum gebuchten Hotel Le Maritime. Als Rennradler hätten wir die weiteren fast 40 km und ca. 1.000 hm mit größter Anstrengung geschafft, aber Gewitter und Kälte unter 10 °C verhinderten dies.

Der Hotelchef informiert uns gleich, dass die Restaurants nur bis 20:30 Uhr offen haben. Wir spurten los und bekommen noch ein vorzügliches Abendessen.

Tagesergebnis: 54 km, Fahrzeit 3:27 Std., 1.394 hm, 1.527 tm

Mi., 10.09.2014, Prades - Argeles-sur-Mer (8)

Besonders gut geschlafen habe ich nicht, aber die Wärme im Bett hat gut getan. Heute erhalten wir das allerbeste Frühstücks-Buffet auf dieser Tour! Das stärkt uns sehr und wird uns, wie immer, ein Mittagessen ersparen. Mit viel Trinken und entsprechenden Riegeln ersetzen wir dies ohnehin.

Gestern sind wir vom Département Midi-Pyrenées ins Pyrénées-Orientales gefahren, in dem wir heute unser Ziel Argeles-sur-Mer erreichen werden.

Auf den ersten 15 km, entlang am Lac de Vinca und bis Bouleternère, müssen wir zum ersten Mal auf dieser Tour starken Autoverkehr ertragen. Dann biegen wir rechts ab und beginnen den Aufstieg zum Coll d’en Fortò (ca. 640 m), den wir nach ca. 33 km erreichen. Danach geht es kurz abwärts und aufwärts und dann genießen wir die ca. 20 km lange Abfahrt nach Saint-Jean-Pla-de-Corts. Nun bewältigen wir auf den nächsten 8 km noch ca. 200 hm. Wir freuen uns auf diesen Umweg, weil wir jetzt nochmals nach Spanien blicken möchten. Je näher wir heute dem Mittelmeer kommen, desto mehr wohltuende Wärme spüren wir.

In der Grenzstadt Le Perthus (span. „el Pertùs“) sind viele Touristen aus der ganzen Welt und pilgern durch diese zentrale Einkaufsstraße D900. Wir stärken uns mit Getränken während unseres Kurzbesuches in Spanien.

Anschließend fahren wir über eine kurze Distanz die Strecke zurück nach Argeles-Plage. Auf den letzten Kilometern sind wir auf gutem Radweg, wo uns niemand stört und wir erreichen am Nachmittag unser gebuchtes Hotel Le Maritime, das in einer ruhigen Straße am Mittelmeer liegt. Nicht nur das Meerwasser bietet sich uns an, sondern auch der Swimming-pool des Hotels. Urlauber sind nicht mehr viele hier, weshalb auch schon etliche Restaurants jetzt Ferien haben.

Abendessen haben wir in einem sehr guten Restaurant in der hiesigen Parkanlage. Dort danken wir Gott für allen Schutz und unserem Chauffeur für seine Super-Leistung!

Tagesergebnis: 101 km, Fahrzeit 4:57 Std., 945 hm, 1.250 tm

Do., 11.09.2014, Ruhetag in Argeles-sur-Mer

Heute gibt es keinen Termin. Später frühstücken, spazieren gehen, am Strand verweilen, Stadtrundfahrt mit Bimmelbahn in die Altstadt und diese dann zu Fuß "erobern", dazwischen auch mal mit Eis und Kaffee erfrischen.

Abendessen gibt es in einem Garten-Restaurant, was bei solch angenehmer Temperatur ein Vergnügen ist.

Fr., 12.09.2014, Bédoin - Mont Ventoux (9) - Malaucéne - Bourg-en-Bresse

Gegen 9 Uhr verlassen wir das Mittelmeer und fahren mit dem Auto ca. 330 km nach Bédoin. Dort starten wir gleich unsere Radtour hinauf zum Mont Ventoux (1.912 m). Wir fahren die sog. Südrampe, machen keine Pause, nur einen kurzen Stopp und erreichen den Gipfel nach 22 km, 1.599 hm und bis zu 15% Steigung, so zeigt es mein Garmin-Gerät an. Auch heute ist hier wieder ein Bergrennen, das wir richtig miterleben.

Es ist sehr windig, deshalb halten wir uns keine 5 Minuten auf dem Gipfel auf, sondern beginnen gleich die Abfahrt nach Malaucéne. Zwei Jahre zuvor bin ich die Nordrampe hoch gefahren und die Ostrampe nach Sault (leider damals schlechter Straßenbelag) abgefahren. Gleich im oberen Abschnitt überholt uns jetzt unser Chauffeur. Als er in Malaucéne auf dem Parkplatz aus dem Auto steigt, fahre ich schon direkt auf ihn zu. Es war eine tolle Abfahrt, hat allerdings bei über 70 km/h höchste Konzentration erfordert.

Wir Radler ziehen uns um und gehen noch in ein Radgeschäft, wo wir ein sehr schönes Mont Ventoux Trikot erwerben.

Dann beginnt die 300 km lange Autofahrt ins Comfort Hotel nach Bourg-en-Bresse. Dort beenden wir den Tag und diese traumhaft schöne Rennradtour in einem wunderschönen Restaurant mit bestem Abendessen.

Tagesergebnis: 43 km, Fahrzeit 2:53 Std., 1.599 hm, 1.532 tm

Sa., 13.09.2014, Heimfahrt

Nach ca. 550 km erreichen wir unsere Heimat Stuttgart. Unserem tollen Chauffeur danken wir Rennradler für seine so wertvolle Begleitung, die uns eine solch schöne Tour ermöglicht hat.

„Wer ein Herz für die Schönheit hat, findet Schönheit überall.“

(Gustav Freytag, 1816 - 1895, deutscher Kulturgeschichtler und Schriftsteller des bürgerlichen Realismus)